Bremen, Meisenfrei

Die beste Geburtstagsparty aller Zeiten

Eyevory 20 Jahre Jubiläum
Foto: M. Wiescholek
Seit Monaten haben wir diesem Tag entgegengefiebert und was mich persönlich betrifft, bin ich gegen Ende sogar fast daran zerbrochen, denn die Organisation des Konzerts mit samt 12 Gastmusikern, die Erstellung und Koordination der Videoeinspieler und das Layout unserer 160 Seiten starken Bandchronik, die zum Jubiläum erschien lagen in meinen Händen.

Aber fangen wir mal ganz von vorne an. Für diejenigen, die uns erst nach diesem Tag kennengelernt haben und die, an denen es irgendwie vorbei gegangen ist (kann ja mal passieren): Kaja und ich teilen uns als Sängerinnen seit 1998 eine Bühne und spielen seitdem ohne Unterbrechung gemeinsam in einer Band. Das heißt, bevor es „Eyevory“ gab, gab es das Vorgängerprojekt „pinK mercury“ und davor gab es die Schülerband „Straight On“, die wir vor 20 Jahren in der Musikschule Ridder in Bremen gründeten.
Und dieses Jubiläum feierten wir am 26. Oktober im Meisenfrei Blues Club – unserem musiklaischen Wohnzimmer – in Bremen, in dem wir eine Zeitreise mit insgesamt 12 ehemaligen Bandmitgliedern unternahmen und Songs aus zwei Dekaden Bandgeschichte nebst historischen Fotos und Videos auf einer Leinwand neben der Bühne präsentierten.

Foto: Norbert A. Mueller
Soweit die Kurzversion – wer Wert auf Details legt, sollte sich unser Buch bestellen, was am Konzertabend erschien und an selbigem promt ausverkauft wurde. Die zweite Auflage ist nun in Arbeit …

Aber nun zum Abend an sich. Geplagt von Lampenfieber hoch 10 bauen wir ab 16:00 Uhr unser Equipment auf der Bühne auf und zusätzlich diesmal auch eine Leinwand neben der Bühne und installieren einen Beamer unter der Decke vom Meisenfrei Blues Club. Aber dann macht es plötzlich „krack“ und ein Bein des Leinwandstativs bricht einfach so in der Mitte durch. Die Leinwand liegt am Boden und meine Nerven auch. Doch in weiser Vorraussicht hatte ich am Morgen noch eine 10-Meter lange Papiertischdecke auf einer Rolle im Supermarkt gekauft und die sollte die Rettung unseres Konzert begleitenden Videoprogramms werden. Mit Klebeband fixieren wir zwei Bahnen der Tischdecke an einem Lüftungsrohr neben der Bühne und zaubern dadurch eine nicht besonders schöne, aber große Leinwand, die ihren Job tut.

Kurz darauf machen wir unseren üblichen Soundcheck zu dem nach und nach unsere musikalischen Gäste dazustoßen, um teilweise so exotische Instrumente, wie Saxophon oder (eine zweite) Querflöte zu checken.
Und schon werden wir vor eine neue Herausforderung gestellt: Meine Akkustikgitarre, die heute Abend seit langem mal wieder zum Einsatz kommen soll, hat einen Hardware Defekt, der sich nicht auf die Schnelle beheben lässt. Aber auch diese Hürde können wir nehmen, in dem Tim, einer unserer ehemaligen Gitarristen seine Akkustikgitarre via Freundin-Kurier ins Meinefrei kommen lässt – gerettet. Danke, Tim & Kristin!

Foto: Thomas Borchardt
Ansonsten verläuft der Soundcheck ohne weitere Zwischenfälle und in dem kleinen Backstage Bereich wird es langsam eng – schließlich wollen sich dort heute insgesamt 16 Leute umziehen und vorbereiten.

Zuerst bereitet sich die Band „Straight On“ vor. So hieß die Musik-Schul-Band damals, als Kaja und ich zusammen angefangen haben. Und da wir den Abend chonologisch und möglichst in den jeweiligen original Besetzungen begehen wollen, bedeutet dies für mich, die Position hinter dem Schlagzeug einzunehmen, denn als Drummerin habe ich die ersten Jahre in der Band verbracht. Dazu kommen Tobias Göllner an der Gitarre und Marc Potinius am Saxophon. David springt am Bass ein und natürlich Kaja an Flöte und Gesang.
Mit „The Sun“, eine unserer ersten Eigenkompositionen aus dem jahr 1998 eröffnen wir den Abend und ich fühle mich ganz kurz wieder wie mit 15 …

Foto: Inge Merz
Danach geht die musikalische Zeitreise weiter mit vielen alten Songs und vielen musikalischen Gästen, die wir teilweise seit Jahren nicht gesehen haben. Aber schon die Probe zwei Wochen davor fühlte sich an, wie ein großes Klassentreffen.
Und das ist es auch beim Konzert gewesen. Ein großes Fest!
Wie im Rausch ziehen die 22 Songs in einem knapp vierstündigen Programm an uns vorbei. Reden und Laudationes werden gehalten, Tränen der Rührung fließen und am Ende … Überall so viele glückliche Gesichter …

Oh man, ich habe wirklich über eine Woche gebraucht, um diesen Abend annähernd zu begreifen. Uns war klar, dass dies ein besonderes Konzert werden würde. Aber mit einem so großartigen Familientreffen hat wohl kaum einer gerechnet …
Und es zeigt mal wieder: Musik verbindet Menschen, schlägt Brücken, wo vorher Mauern waren und ist die tiefgehenste Form von Erinnerung. Danke für diesen geilen Abend!!!


Fotos: Thomas Borchardt