Loreley, Night Of The Prog Festival

Mit Eyevory auf dem berühmten Felsen, der Loreley, zu spielen, auf DEM Progressive-Rock-Festival in Deutschland (oder sagen wir: Europa), wäre mir im Traum nicht eingefallen. Ich selbst bin zuvor zwei mal auf dem Festival als Besucher gewesen. Einmal 2007 und einmal im letzten Jahr, also 2016. Beim ersten mal habe ich den großartigen John Wetton mit Asia erleben dürfen (der inzwischen ja leider von uns gegangen ist), sowie IQ, Jethro Tull, Fish und die Pink Floyd Tribute Band „Echoes“.
Ich erinnere mich an die besondere Atmosphäre und an die tollen Konzerte und daran, dass ich zu dem Zeitpunkt bereits gehofft hatte, eines Tages auch dort stehen zu dürfen. Zu dem Zeitpunkt gabe es die Band Eyevory noch nicht.

9 Jahre später stehe ich wieder vor der Bühne, dieses mal spielen u.a. Spock’s Beard (unvergesslich!), The Musical Box und Focus. Auch zu diesem Zeitpunkt habe ich jegliche Hoffnung oder auch Überlegung, dort zu spielen, nicht wirklich ernstgenommen.

Zeitsprung: Anfang diesen Jahres ruft Jana an. Soweit nichts außergewöhnliches, aber dieses mal ist es anders, denn sie ruft in regelmäßigen Abständen an, während ich im in der Musikschule unterrichte, und sie somit wegdrücken muss. Ich denke so bei mir: Was ist denn jetzt kaputt? Ist jemand gestorben?
Als ich mit der Unterrichtsstunde durch bin, rufe ich sie zurück, mit der Frage, was denn los sei. Sie fragt mich: „Sitzt Du?“, ich sage: „Nein, kann ich aber organisieren.“. Sie sagt nur: „Wir spielen….“, ich: „Ja?“, „… auf der Loreley!“ fährt sie fort. Ich ringe erstmal nach Luft und und frage, ob sie sich wirklich sicher ist, was sie bejaht. Kurz danach kam bereits die offizielle Bekanntmachung und der Rest ist Geschichte.

6:00 Uhr morgens am 15.7.2017. Der Wecker klingelt. Jeder hat nun erstmal mit sich selbst zu tun und vor allem die Mädels schließen sich für einige Zeit in Ihren Badezimmern ein – heute möchte jeder besonders gut ausschauen. Frühstück geht kaum runter – Kaffee gerade noch so. Gegen 8:00 Uhr treffen sich alle Eyevorianer an der Fähre in St. Goar und setzen über zum berühmten Felsen. Im Auto wird kaum gesprochen …
Angekommen auf dem Festivalgelände werden wir vom NOTP-Team sehr herzlich in Empfang genommen. Dank der professionellen Planung vor Ort wissen wir schnell, wo wir unseren Backstage finden und wo wir hinter der Bühne unser Equipment aufbauen können.
Die Crew und alle um die Veranstaltung herum sind super nett zu uns. Natürlich sind wir als Opener ein vergleichsweise kleines Licht gegenüber YES. Wenn eine Crew aber genauso nett und hilfsbereit gegenüber der ersten Band ist, wie zum Topact, ist das ein Zeichen dafür, dass man immer noch weiß, wo man selbst begonnen hat und dass keine Band, kein Musiker B-Ware ist, nur weil man als erste Band auftritt.
Als Opener haben wir an diesem Tag das große Los, einen eigenen Soundcheck zu haben – was bei festivals nicht selbstverständlich ist – und allein in dieser Situation steigt unsere Spannung auf den Gig ins Unermessliche. Es ist eine Mischung von Nervosität, positiver Anspannung und absoluter Vorfreude auf das, was da kommen mag!
Um 12.10 Uhr ist es dann soweit, wir betreten die Bühne unserer Träume und was soll ich sagen, wir treffen auf ein Publikum, das uns sehr herzlich in Empfang nimmt und uns durch seinen Applaus eine große Ehre erweist. Vielen Dank an dieses wunderbare Publikum, was uns so herzlich aufgenommen hat und mit uns gefeiert hat. Das ist mir persönlich wichtig, hervorzuheben, denn diese Menschen sind diejenigen, die sich auch die ersten Bands anschauen und nicht erst ab 16 Uhr aufkreuzen, um sich auszuschlafen.

Die Spielzeit von einer Stunde vergeht wie im Flug und am liebsten würden wir noch mindestens eine weitere Stunde diese wundervolle Bühne bespielen.
Kaum sind wir runter von der Bühne, warten schon die ersten hartgesottenen am Zaun und wir freuen uns, auf so viele alte und neue Gesichter zu treffen, unterschreiben fleißig CDs, Drumsticks und sogar T-Shirts aus Norwegen. Nach gefühlten 20 Selfies mit gut gelaunten Menschen aus aller Welt, atmen wir schließlich tief durch … Der Adrenalinspiegel senkt sich wieder und wir genießen nun den restlichen Festivaltag in vollen Zügen – einer der Vorteile, wenn man Opener ist ;-).

Ein besonderes Erlebnis an diesem Tag ist definitiv die Begegnung mit Trevor Rabin und Rick Wakeman von YES, die am Abend den Headliner bilden. Was für wunderbare, freundliche Menschen. Auch Ray Wilson, der nicht immer den Eindruck erweckt, ein Sonnenschein zu sein, ist wirklich ein sehr angenehmer Zeitgenosse. In Duisburg vor 3 Jahren hatten wir schon einmal eine Show mit ihm und so war es ein freudiges Wiedersehen.

Und auch die Kollegen von ASHBY lernen wir im Backstage endlich persönlich kennen. Schließlich haben wir eine gemeinsame Tour für 2018 geplant, die an diesem Tag endgültig besiegelt werden konnte. Nach dem auch ASHBY groß gefeiert werden auf der Loreley Bühne, sind wir guter Dinge, dass die Co-Headliner Tour ein Erfolg werden wird.

Photos taken by: Adam Zegarmistrz Glagla, Alexander Moell & Andre Wins